FERIENDORF AICHAU

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Open Innovation

openinnovationDiese Woche (ab 19.8.2013) strahlte der ORF auf Ö1 in der Serie "Vom Leben der Natur", die auch noch unter dem Übertitel "Open Innovation" firmiert fünf kurze Beiträge aus, in denen der Direktor der ZAMG Dr. Michael Staudinger sich lobend über die Ehrenamtlichen der ZAMG und die Betreiber von Amateurwetterstationen äußert. Ich wollte diese Beiträge in unsere Dorfwetterseite einbinden und schreibe an den ORF:
Betreff: Weiterverwendung von Downloads

Ich bin Ö1 Clubmitglied und Downloadberechtigter.
Vorerst geht es nur um die Kurzsendungen in der Reihe "Vom Leben der Natur". Diese Sendungen sind ja auch per Podcast frei downloadbar und privat verwendbar.
Ich möchte aber manche Beiträge, wie die von dieser Woche mit Michael Staudinger von der ZAMG auf der privaten Dorfwebseite www.aichau.net anderen Besuchern zur Verfügung stellen. Zur Ausstrahlungszeit haben die wenigsten nämlich Zeit, um zuzuhören, weil sie berufstätig sind, oder als Landwirte am Feld arbeiten und lieber NÖ Regional hören.
Ich betreibe auch eine private Wetterstation und würde diese Beiträge dort gerne quasi in Form einer Dorfvolkshochschule einbinden.
Es gibt auf unserer website auch einen eigenen Bereich für registrierte Benutzer, so dass der Zugang nur einem eingeschränkten Benutzerkreis möglich ist.

Darf ich das ungefragt, oder brauche ich dazu eine ausdrückliche Genehmigung?
Wenn ja, wer kann sie mir erteilen?
Könnten sie so nett sein und mein Anliegen an die zuständige Stelle weiterleiten?

Mit freundlichen Grüßen
Karl Walchshofer

Die Antwort kam überraschend schnell, leider aber abschlägig:
Sehr geehrter Herr Walchshofer,
leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass die Verwendung von Ö1 Downloads ausschließlich zum privaten Gebrauch im Sinne des § 42 UrhG gestattet ist.
Jede darüber hinausgehende Verwendung wie unerlaubte Vervielfältigung, öffentliche Aufführung, Vermietung oder Sendung ist verboten und der ORF ist gegen Ansprüche Dritter schad- und klaglos
zu halten.
Haben Sie bitte Verständnis, dass wir Ihnen daher eine solche Freigabe nicht erteilen können.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Ö1 Download-Service (nion)

Darauf meine weitere Antwort:

Also ich bin etwas enttäuscht. Verstehen sie in dieser Form den öffentlich rechtlichen Bildungsauftrag?
Was verstehen sie unter unerlaubter Vervielfältigung? Ich habe ja um die Erlaubnis ersucht, warum können sie mir diese für diese 5 Kurzbeiträge nicht erteilen?
Dürfte ich sie auf mein Smartphone laden, aber im Wirtshaus am Stammtisch nicht abspielen? Wäre das auch schon eine öffentliche Aufführung? Oder gar im Schulunterricht verwenden?
Erinnern sie sich noch an den sogenannten Schulfunk? Könnten sie den nicht wieder einführen einschließlich lizenzfreier Vervielfältigung und Verwendung?
Für Beiträge wie: Betrifft Geschichte, Wissen aktuell und eben auch Vom Leben der Natur.
Lockern sie etwas den Krawattenknopf!
Karl Walchshofer

Darauf bekam ich noch keine Antwort und ich sehe mir den ominösen § 42 UrhG an. Im Suchfenster bei Tante Gugl nur § 42 UrhG eingegeben und schon erscheint ein Link von Jusline und darunter der Text. Ich schreibe ihn aber nicht händisch auf Papier oder einen anderen Träger (Pergament, Alu- oder Plastikfolie?) im Sinne des (1) ab, sondern benutze die allseits beliebte Tastenkombinationen Alles Markieren und Strg C+V, wie weiland Karl Theodor zu Guttenberg bei seiner Dissertation.
 
 § 42 UrhG

(1) Jedermann darf von einem Werk einzelne Vervielfältigungsstücke auf Papier oder einem ähnlichen Träger zum eigenen Gebrauch herstellen.
(2) Jedermann darf von einem Werk einzelne Vervielfältigungstücke auf anderen als den in Abs. 1 genannten Trägern zum eigenen Gebrauch zu Zwecken der Forschung herstellen, soweit dies zur Verfolgung nicht kommerzieller Zwecke gerechtfertigt ist.
(3) Jedermann darf von Werken, die im Rahmen der Berichterstattung über Tagesereignisse veröffentlicht werden, einzelne Vervielfältigungsstücke zum eigenen Gebrauch herstellen, sofern es sich nur um eine analoge Nutzung handelt.
(4) Jede natürliche Person darf von einem Werk einzelne Vervielfältigungsstücke auf anderen als den in Abs. 1 genannten Trägern zum privaten Gebrauch und weder für unmittelbare noch mittelbare kommerzielle Zwecke herstellen.
(5) Eine Vervielfältigung zum eigenen oder privaten Gebrauch liegt vorbehaltlich der Abs. 6 und 7 nicht vor, wenn sie zu dem Zweck vorgenommen wird, das Werk mit Hilfe des Vervielfältigungsstückes der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zum eigenen oder privaten Gebrauch hergestellte Vervielfältigungsstücke dürfen nicht dazu verwendet werden, das Werk damit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
(6) Schulen und Universitäten dürfen für Zwecke des Unterrichts beziehungsweise der Lehre in dem dadurch gerechtfertigten Umfang Vervielfältigungsstücke in der für eine bestimmte Schulklasse beziehungsweise

Lehrveranstaltung erforderlichen Anzahl herstellen (Vervielfältigung zum eigenen Schulgebrauch) und verbreiten; dies gilt auch für Musiknoten. Auf anderen als den im Abs. 1 genannten Trägern ist dies aber nur zur Verfolgung nicht kommerzieller Zwecke zulässig. Die Befugnis zur Vervielfältigung zum eigenen Schulgebrauch gilt nicht für Werke, die ihrer Beschaffenheit und Bezeichnung nach zum Schul- oder Unterrichtsgebrauch bestimmt sind.
(7) Der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtungen, die Werkstücke sammeln, dürfen Vervielfältigungsstücke herstellen, auf anderen als den im Abs. 1 genannten Trägern aber nur, wenn sie damit keinen unmittelbaren oder mittelbaren wirtschaftlichen oder kommerziellen Zweck verfolgen (Vervielfältigung zum eigenen Gebrauch von Sammlungen), und zwar
    1. von eigenen Werkstücken jeweils ein Vervielfältigungsstück; ein solches Vervielfältigungsstück darf statt des vervielfältigten Werkstücks unter denselben Voraussetzungen wie dieses ausgestellt (§ 16 Abs. 2), verliehen (§ 16a) und nach § 56b benützt werden;
    2. von veröffentlichten, aber nicht erschienenen oder vergriffenen Werken einzelne Vervielfältigungsstücke; solange das Werk nicht erschienen beziehungsweise vergriffen ist, dürfen solche Vervielfältigungsstücke ausgestellt (§ 16 Abs. 2), nach § 16a verliehen und nach § 56b benützt werden.
(8) Die folgenden Vervielfältigungen sind – unbeschadet des Abs. 6 – jedoch stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig:
    1. die Vervielfältigung ganzer Bücher, ganzer Zeitschriften oder von Musiknoten; dies gilt auch dann, wenn als Vervielfältigungsvorlage nicht das Buch, die Zeitschrift oder die Musiknoten selbst, sondern eine gleichviel in welchem Verfahren hergestellte Vervielfältigung des Buches, der Zeitschrift oder der Musiknoten verwendet wird; jedoch ist auch in diesen Fällen die Vervielfältigung durch Abschreiben, die Vervielfältigung nicht erschienener oder vergriffener Werke sowie die Vervielfältigung unter den Voraussetzungen des Abs. 7 Z 1 zulässig;
    2. die Ausführung eines Werkes der Baukunst nach einem Plan oder Entwurf oder der Nachbau eines solchen Werkes.
Copyright: JUSLINE GmbH
Der Text dieses Paragrafen ist bei entsprechender Vortragskunst, verziert mit ein paar Kommentaren schon gut für eine Kabarettnummer.

Abschreiben ist also erlaubt, das haben vermutlich auch die Herren Juristen in der Schule so gemacht. Das Abschreiben von Hausübungen und bei Schularbeiten ist also im Sinne des § 42 UrhG erlaubt, weil die Einwilligung des Verfassers eines noch nicht veröffentlichten Werkes als gegeben vorausgesetzt werden kann.

Jetzt aber zu meinem Fall. Ich bin zwar keine Schule, obwohl ich oft den Oberlehrer spiele, aber vielleicht gründen wir einen Verein "Internetprivatschule Aichau". Zuständig für Vereine ist die Bezirkshauptmannschaft und das BMI. Das könnte lustig werden.
Ich berufe mich auf Absatz (6): "Auf anderen als den im Abs. 1 genannten Trägern ist dies aber nur zur Verfolgung nicht kommerzieller Zwecke zulässig."
Unsere Dorfwebseite ist ja typisch kommerziell angelegt, sie strotzt nur so von bezahlter Werbung.

Es steht in diesem Gesetz aber NIRGENDS, dass der Berechtigte, Inhaber, Schöpfer des Werkes, seine Einwilligung zur anderweitigen Veröffentlichung NICHT erteilen darf. Ich habe freundlich ersucht, bin aber nur schnurstracks abgewiesen worden. Da kommt Freude auf!