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Theorie und Praxis

Eine kurze Geschichte über Theorie und Praxis. Viele kennen ja das Bonmot: Therorie ist, wenn man ganz genau weiß, wie es geht, aber es funktioniert nicht. Praxis ist: Es funktioniert, aber keiner weiß genau warum. Ich bin eher ein Anhänger der Experimentalphysik, Robert eher der Theoretische Physiker. Wobei aber nicht in Abrede gestellt werden soll, dass nicht auch Theoretiker sich gelegentlich über praktische Erfolge freuen und darüber berichten dürfen.

Und damit wären wir wieder inmitten unseres Diskurses über die Schneckenabwehr, der bei manchen ob der Heftigkeit der manchmal ins Treffen geführten Argumente zu der irrigen Meinung geführt hat, wir würden demnächst einen Hochvoltdrahtverhau zwischen unseren Gärten errichten.
Dabei geht es ja eigentlich auch um volkswirtschaftliche Grundbelange. Robert ist eher der Anhänger des Neukaufes und Erzeugung von Geräten, die die Welt nicht wirklich braucht, Karl der billige Jakob, der aus Altmaterial noch etwas macht, das zumindest gleich wirksam und dabei auch noch völlig energieautark und kostenlos ist. Über die geplante Obsoleszenz, die aus Roberts Wirtschaftswelt gar nicht mehr wegzudenken ist, will sich der Autor nicht weiter verbreitern und am Ende gar den geneigten Leser ermüden.
Ich merke, ich schweife schon wieder einmal vom eigentlichen Thema ab. Karl denkt mehrschichtig und bezieht auch die Biologie und die Verhaltensforschung in seine Überlegungen ein. Diese beiden Wissenschaften bieten vielfachen input, wie man das heute im Neusprech bezeichnet.
Zuerst zu den mechanischen Eigenschaften und Möglichkeiten der im Fokus unserer Experimente befindlichen Objekte:
Die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris, syn. Arion lusitanicus auctt. non Mabille), auch Kapuzinerschnecke, Große Wegschnecke oder Lusitanische Wegschnecke genannt, ist eine 8 bis 12 Zentimeter lange Nacktschnecke. Sie gehört zu der Ordnung der Lungenschnecken (Pulmonata). In Nutzgärten und landwirtschaftlich genutzten Flächen stellt die nach Mitteleuropa eingeschleppte Schnecke eine große Plage dar.
Das Objekt verfügt über keine ausgeprägten Wühleigenschaften, versteckt sich nur in losem Laubwerk, Grasschnitt (Mulch), in weichem Moos. Die Fortbewegung erfolgt meist sehr langsam, hinterlässt schleimige Rückstände und vollzieht sich vornehmlich in den täglichen Dämmerungsphasen und nach Regenfällen zu jeder Tageszeit. Dieser Schleim verleiht unserem Objekt erstaunliche Adhäsionskräfte, so dass sie selbst meterhoch auf Glasflächen unterwegs sein können. Sie sind sehr geschmeidig im Körperbau, aber selbst das stößt irgendwann an seine physikalischen Grenzen und die von unserem verehrten Großmeister Sir Isaac Newton gefundene Gravitation tritt in Aktion und vernichtet in stundenlanger mühsamer Arbeit erreichte Ziele bei Überhängen innerhalb von Sekundenbruchteilen. Auch Homo sapiens sapiens aus der Untergattung Bergsteiger soll gelegentlich diese Erfahrung schon gemacht haben. Beide sind meist unbelehrbar und lassen sich nach Überleben solcher Experimente vor einem Neuversuch nicht abhalten.
Die Kollegen aus der Zunft der Chemie und Toxikologie, einem Seitenzweig der Pharmazie und mit ihr verschwägerten Medizin haben sich auf ihrem Spezialgebiet, nämlich des langsamen und verzögerten Tötens allerlei andere Dinge einfallen lassen. Das High End Produkt ist das weltweit bekannt gewordene Schneckenkorn, das es auch in einer Bioversion gibt. Rein anorganisch, dennoch toxisch wirksam, hinterlässt aber keine forensisch verdächtigen Spuren. Das Zaubermittel heißt Eisen(III)phosphat, auch Eisentriphosphat genannt. Selbst für den Normalbürger ohne Giftschein in einschlägigen Geschäften wie Chemikalienhandlungen und Drogerien zu ganz günstigen Preisen erhältlich.
Und schließlich noch eine Substanz namens Natriumchlorid, eine neben Dihydrogeniumoxid auf dem Planeten sehr häufig in letztgenannter Substanz gelöster, selten in kristalliner Form vorkommende Verbindung, die der Mensch auch als Würze oder zur Haltbarmachung von tierischem Muskelgewebe verwendet. Vor der exzessiven Verwendung und dessen Verzehr warnen aus gutem Grund auch deren Medizinmänner.
Zur ausgelagerten Tötung hat sich Homo sapiens sapiens immer weiterreichende Gedanken gemacht. Vom gegenseitigen Schädeleinschlagen mit Steinen und Knochenteilen erlegter Nahrungsbeute bis zu ferngelenkten Drohnen dauerte es im Vergleich zur Entwicklung vom ersten vierfüßigen lebendgebärenden Säugetier nur einen Bruchteil der bis dahin verstrichenen Zeit. Umgelegt auf ein derzeit gültiges irdisches Menschenjahr war das ungefähr um 23:45 am Silvestertag. Heute stehen wir bei den berühmten 5 Minuten vor 12.
Aber schon wieder schweift der Autor in Gefilde ab, die mit dem eigentlichen Unteruschungsgegenstand und den dazu angelegten Experimenten nur sehr periphär zu tun haben. Darum endet hier dieser Bericht.

Kommentare   

Robert
0 # Robert 2014-09-29 10:34
Zitiere: "Karl der billige Jakob, der aus Altmaterial noch etwas macht, das zumindest gleich wirksam und dabei auch noch völlig energieautark und kostenlos ist."

Praktische Beweise, lieber Karl, nicht theoretische Vorwegnahmen! Ich will ja gerne überzeugt werden. Aber bitte so, dass die Dinge auch einige Zeit funktionieren.
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